Sonntag, 22. Dezember 2013

Die IAA und die Last groß zu sein.



Hier werde ich mal meine persönlichen Eindrücke der IAA aufarbeiten. Der Schwerpunkt lag hierbei weniger auf besonders tollem Design sondern viel mehr auf der Kompatibilität mit mir. Als Hauptkonfliktpunkt tat sich hier meine Körpergröße von 1,96m hervor. Das ist zwar sehr groß, aber damit bin ich kein absoluter Einzelfall. Dennoch scheinen viele Hersteller Kunden über 1,85m nicht einzuplanen. Mit der Größe des Fahrzeugs hat das wenig zu tun. Eher mit dem Hersteller.

Positiv hervorzuheben ist beispielsweise Porsche. Im 911 und selbst im Cayman sitze ich hinreichend bequem und kann das Auto sicher fahren. Der Blick auf die Straße ist gut. Ein ähnlich gutes Fazit konnte ich bei einer Sitzprobe im Nissan GT-R ziehen. Drei Sportwagen in denen ich hervorragend sitze.
Generell kann ich den Volkswagen-Konzern loben. In allen Modellen sitze ich mindestens mäßig und in den meisten sogar gut. Selbst im kleinen Skoda Citigo kann ich noch halbwegs bequem sitzen.

Bei vielen anderen Modellen ist das Fazit viel schlechter. Der Volvo V40 ist ein typisches Negativbeispiel. Zwar lässt sich hier der Sitz auf eine adäquate Position verstellen. Allerdings ist das Dach soweit vorgezogen, dass mein halbes Sichtfeld einnimmt. So Auto zu fahren wäre verantwortungslos.
Oftmals ist es auch umgedreht. Der Mercedes CLA ist da ein trauriges Beispiel. Die Haare berühren bereits das Dach und und trotzdem kann man nach vorne fast nichts sehen. Nach vorne ist der Wagen nicht abschätzbar. Wer Mercedes will sollte mindestens C-Klasse kaufen... und wirklich gut wird der Blick erst ab E-Klasse.
Wer glaubt SUV und Vans verschaffen generell Abhilfe irrt mal wieder. Bei Subaru (Video) sitzt man zwar bequem und kann gut auf die Straße schauen. Die Sitzposition in Verbindung mit einem schlecht verbauten Lenkrad erlauben jedoch kein Kuppeln. Eigentlich sollte im Nissan Evalia genügend Platz sein für eine ganze Großfamilie – und einen großen Fahrer. Zwar kann man das Auto schon verfahren, sitzt aber sehr verkrampft auf dem Platz. Da es aufgrund der sehr niedrigen Sitze im Fahrgastraum allen so geht, ist es immerhin fair.

Manche Marken wollen große Menschen gar nicht als Kunden haben. Toyota ist eine von ihnen. Bei sämtlichen Modellen mit Tempomat ist der Wählhebel so positioniert, dass er vom Bein des Fahrers permanent betätigt wird. Die meisten Modelle haben einen serienmäßigen Tempomat.

Es gibt aber auch noch Lichtblicke. Besonders positiv in Erinnerung bleibt der Hyundai ix20 und dessen Schwestermodell Kia Venga. Ich sitze als Fahrer absolut bequem und hinter mir passt noch ein 1,80m großer Mitfahrer ins Auto. Zusätzlich bleibt noch ein beachtlicher Kofferraum über. Und das alles in einem Auto das auf einem Kleinwagen basiert. Beachtlich.

Dienstag, 17. Dezember 2013

Neue Mercedes C-Klasse (W205)

Mercedes hat gerade die neue Generation der C-Klasse vorgestellt. Nach genau sieben Jahren Bauzeit wird das bisherige Modell zum März kommenden Jahres eingestellt. Der recht kurze Modellzyklus setzt sich bei vielen Herstellern durch und die bisherige C-Klasse wurde oft kritisiert. Der Nachfolger löst sämtliche Kritikpunkte - bringt aber wiederum neue mit.

Um die beengten Platzverhältnisse des Vorgängers zu lösen wuchs das neue Modell um zehn Zentimeter und kratzt nun an der 4,70m Marke und ist sieben Zentimeter länger als der noch frische 3er BMW. Am häufigsten wurde bislang der sehr triste Innenraum kritisiert, der bei Markteinführung des W204 von Fachpresse und Kunden als "nicht Premium" verschmäht wurde. Hier hat allerdings das Facelift 2011 schon die gröbsten Kritikpunkte beseitigt. Der W205 zieht jetzt mit einem sehr hochwertigen Innenraum an der bayerischen Konkurrenz vorbei - wobei man hier auf den ebenfalls 2014 erscheinenden A4 gespannt sein darf.

Was ist noch neu? Zahlreiche Assistenzsysteme aus der Oberklasse finden nun den Weg in die untere Mittelklasse. Erstmals bei Mercedes auch ein Head-Up-Display. Wobei dieses bei BMW schon seit vielen Jahren verfügbar ist. Dank Abstandsregeltempomat, vielen Kameras etc. dürfte Mercedes derzeit das sicherste Auto seiner Klasse stellen. Nebenbei möchte man mit der optionalen Luftfederung auch gleichzeitig im Komfort die Benchmark setzen, denn diese ist in der unteren Mittelklasse damit einmalig.

Sehr viel getan hat sich auch im Verbrauch der neuen C-Klasse. Dank einem, in dieser Klasse neuartigen, Aluminiumleichtbau sparen die Stuttgarter bis zu 100KG Gewicht im Vergleich zum kleineren Vorgänger und den aktuellen Konkurrenten ein. Im C200 wurde zusätzlich eine neue Motorengeneration eingeführt.
Ist die Ersparnis sichtbar? Zunächst lässt sich diese Frage eindeutig bejahen. Der Blick ins Datenblatt zeigt für den Einstiegsbenziner C180 mit 156PS nur 5,0 Liter Super an. Ein phänomenaler Wert, den viele Kleinwagen kaum erreichen. Der Vorgänger verbrauchte 2007 noch 2,5l mehr! Auch der größere Benziner C200 verbraucht nur 5,3l bei 184PS Leistung und der bereits aus dem W204 bekannte 170PS starke Diesel C220 BlueTEC soll mit nur 4,3l auskommen.
Wer genauer hinschaut bemerkt die Tricks mit denen Mercedes gearbeitet hat. Der Kraftstofftank ist mit 41Litern erstaunlich klein, ist aber durch geringeres Gewicht im offiziellen Messverfahren im Vorteil. Genauso steigt der Verbrauch der Benziner schnell auf 5,7Liter an, sofern eine Automatik gewählt wird und andere Felgen verwendet werden. Von Werk aus sind aerodynamisch optimierte verbaut. Die senken den Verbrauch, werden vom Kunden jedoch als unschön wahrgenommen. In der Praxis werden Kunden aufpreispflichte Felgen wählen. Auch wenn der Verbrauch schnell steigt und in der Realität sicher bei 7-8Litern liegen wird, ist es dennoch wegweisend wenig.

Im Gegensatz dazu steigen die Preise gehörig. Der Basispreis hat sich zwar kaum verändert, aber die Aufpreispolitik wird immer absurder. Ein "nackter" C180 ist für unter 34000€ zu kaufen. Dabei ist man mit sparsamer Ausstattung schon schnell über der 40.000€ Marke - und dafür sind viele der Fahrassistenten oder Komfortextras noch nicht enthalten. Wer sich eine C-Klasse gut ausstattet durchbricht dabei zwingend die 60.000€ Marke. Mercedes erreicht die Preiserhöhung durch oftmals absurde Aufpreise für eigentlich obligatorische Extras. Extras wie das "Start-Paket" mit klassentypischen Pflichtdetails wie z.B. Klimaautomatik, dem 66Liter Kraftstofftank und Sitzheizung kostet fast 1300€. Ein Automatikgetriebe schlägt mit 2500€ zu. Die obligatorische Metalliclackierung erfordert ebenfalls wieder fast 1000€. Innenraumpakete... Exterieurpakete... LED-Scheinwerfer... Navigationssystem. Und die Aufpreisliste steigt und steigt. Eine solche Aufpreispolitik verfolgen alle deutschen Hersteller um die wahren Preise zu kaschieren denn bei realistischer Einpreisung würde das Basismodell bereits bei 40.000€ liegen - was viele Kunden abschrecken würde.


Alles in allem ein sehr gelungenes Auto, dass sich zumindest kurzfristig als Klassenprimus sehen darf.