Dienstag, 3. Juni 2014

Modellpolitik?

Volkswagenboss Winterkorn gab unlängst bekannt, dass man Konzernintern die Abschaffung einiger Modellreihen erwäge.
Den Medien war dies ein Bericht wert. Bei vielen anderen Herstellern ist sowas Alltag - im Premiumsegment und bei VW allerdings eine höchst ungewöhnliche Planung.


Schaut man sich im VW Porgramm um findet man mittlerweile einige "Zombies". Also zumeist ältere Fahrzeuge deren Nische verschwunden ist.

Benannt wurde unter anderem der Eos. Ein Mittelklassecabrio. Wurde riesig angepriesen und feil nach Marktstart durch große technische Probleme auf. Das aufwendige Dach hatte oft Defekte. Es wird voraussichtlich verschwinden, da im eigenen Haus das Golf Cabrio die bessere Wahl ist. Es kostet 5000€ weniger und ist kaum kleiner, dafür aber schöner und moderner. Wer bereit ist weit über 30.000€ auszugeben wird tendenziell sowieso eher zu den Premiummarken greifen. Wer das Geld nicht hat greift zum Golf Cabrio oder Importmarken.

Ohne große Überraschung wird der Scirocco auch ohne Ersatz bleiben. Man wollte ein sportliches Coupe bauen. So wirklich sportlich ist der Scirocco nie geworden. Eher ein prolliger Golf. Da die entsprechende Zielgruppe für ein solches Auto kein Geld hat, blieb er ein Ladenhüter.

Ebenfalls verschwinden wird möglicherweise der Sharan. Er ist schlicht zu teuer. Preislich liegt er weit ab von einem herkömmlichen Familienbudget. Etwas schick ausgestattet kratzt man schnell an 50.000€! Da greifen viele Eltern bereits heute lieber zum kleineren Touran. Wer entsprechende Geldreserven hat ordert eher ein großes SUV oder gleich den noch teureren VW T5. Der ist weitaus praktischer und hat - im Gegensatz zum Sharan - einen enormen Wiederverkaufswert. Vermutlich wird Volkswagen den nächsten Touran etwas wachsen lassen. Möglicherweise auch mit einer zusätzlichen Langversion und so die dann entstehende Lücke schließen. Da werden wenig Kunden zur Konkurrenz abwandern. Diese besteht mittlerweile auch nur noch aus Ford Galaxy und Renault Espace. Alle anderen Konkurrenten sind bereits ausgestiegen.




Dies zeigt in weiten Teilen auch den immer schnelleren Wandel in der Modellpolitik auf. Es kommen nicht mehr nur immer neue Modellformen dazu, sondern andere verschwinden. Am verschwinden sind die großen Vans. Aufbauend auf Mittelklassefahrzeugen galten sie als das ideale Familienfahrzeug. Nur sind sie viel zu teuer für ein Fahrzeug, dass überhaupt keine Emotionen hervorruft. Der generelle Trend hat sich zu kleineren Vans verschoben. Die sind nicht nur bei Familien beliebt. Fahrzeuge wie Golf Sportvan, Mercedes B-Klasse oder Opel Meriva werden eher von Rentnern erworben. Die hohe Sitzposition erscheint wichtiger als ein besonders sportliches Image. Für Familien bleiben sie außerdem bezahlbar. Wobei diese Gattung immer mehr von SUV verdrängt wird. Diese sind in Wirklichkeit keine gezähmten Geländewagen mehr, sondern rustikale Familienvans. Der Nutzwert ist im Vergleich zwar geringer, dafür wirken sie deutlich emotionaler. Verzichtet man auf Allradantrieb bestehen kaum Verbrauchsunterschiede. Fahrzeuge wie der VW Tiguan sind hier eine wahre Konkurrenz für Touran&Co. Auch hier gibt es den Trend zur Miniaturisierung. Während ein großer Sharan in einer Großstadt kaum zu bewegen ist, kommt man mit einem Opel Mokka noch in fast jede Parklücke. Beim Anblick darf der Fahrer sich trotzdem nach großem Abendteuer fühlen - auch wenn nur der Bordstein überwunden wurde.

Ansonsten geraten Kleinwagen mehr in den Fokus der Konzerne. Waren dies früher eher Mittel um das Feld der Zweitwagen abzudecken, steigt hier immer weiter die Nachfrage nach hochwertigen Fahrzeugen. Im urbanen Umfeld ist es längst kein Statussymbol mehr in einer Oberklasselimousine Parkplätze zu suchen.

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