Freitag, 29. Mai 2015

Deutsche Bahn kauft Züge in China

Die DB eröffnet gerade ein Einkaufsbüro in China um dort beim Ersatzteile und ganze Züge zu kaufen.

Au wirtschaftlicher Sichtweise ist dies zunächst nachvollziehbar. Ersatzteile kauft die Bahn oft bei deutschen Firmen. So kommen die Radsätze (Achse mit Rad) von einer Bochumer Firma.
Der Zugmarkt wird von Jahr zu Jahr kleiner. Wo es einst in jedem Land viele Produzenten gab, haben sich immer mehr Unternehmen aus der Branche verabschiedet. Für angetriebene Schienenfahrzeuge ist im Hochgeschwindigkeitssegment Siemens Marktführer. Danach kommen Alstom (Frankreich) und Bombardier (Kanada). Alle drei mit Produktionsstandorten in Deutschland. Dieselrangierlokomotiven kommen derzeit noch von Vossloh, während Voith als Konkurrent vergangenes Jahr ausgestiegen ist. Stadtbahnen und Regionaltriebwagen baut auch Stadler in Deutschland, Schweiz und anderen europäischen Staaten.

Dieser kleine Markt resultiert aus den immer weiter gestiegenen Anforderungen an die Zugtechnik. Daraus resultiert in einigen Bereichen eine Quasi-Monopolstellung. So kommen Regionaltriebwagen und Lokomotiven vornehmlich von Bombardier und Hochgeschwindigkeitszüge von Siemens. Alstom und Stadler sind bei Privatbahnen sehr erfolgreich.

Mit dem Einkauf in China kann die Bahn die Einakufskosten senken. Die Radsätze kosten in China in etwa ein Drittel weniger - bei gleicher Qualität. Auch Züge werden dort günstiger Angeboten. Das liegt auf der einen Seite an den niedrigen Löhnen und hohen Stückzahlen. Auf der anderen Seite subventioniert der chinesische Staat seine Zughersteller massiv - u.a. mit billigen Krediten für Abnehmer. Die Bahn könnte jährlich bis zu 100 Millionen Euro einsparen.

Allerdings ist diese Entscheidung auch bedenklich. China betreibt mit dieser Strategie eine äußerst destruktive Politik. Durch enorme Subventionen ruinieren sie gezielt Wirtschaftszweige in anderen Staaten. Ein Beispiel dafür ist die deutsche Solarwirtschaft. Die einstigen Weltmarktführer sind fast alle verschwunden, da China die eigene Produktion derart stark subventioniert, dass chinesiche Module nur einen Bruchteil der deutschen Produkte kosten. Im Schifbau haben sich ähnliche Szenarien abgespielt. Dieses Wettrüsten sorgt dafür, dass weltweit die Konkurrenz verschwindet und damit auch das Know-How. So werden immer mehr Branchen direkt von China abhängig.

Bei der Eisenbahn ist dies auch zu erwarten. Das Segment der Hochgeschwindigkeitszüge ist bereits heute höchst kompliziert. Nur wenige Staaten kaufen überhaupt solche Züge und das auch sehr selten. Viele Entwicklungen werden nie realisiert. Von den drei in Europa tätigen Anbietern, soll Bombardier vermutlich auch an die chinesischen Staatskonzerne veräußert werden. Für Siemens würde sich dieses Feld nicht mehr lohnen, wenn sie in den großen Abnehmerländern kaum noch Chancen haben. Man sollte sich fragen ob man wirklich auf die heimische Wirtschaft verzichten will und sich dafür von einem einzigen Staat abhängig machen möchte.