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Dienstag, 21. April 2015

Magnetschwebebahn auch für Deutschland?

Japan schließt diese Tage ihre Tests an den neuen Magnetschwebebahnen mit einem atemberaubendem Rekord von 603km/h. Kleine Verkehrsflugzeuge fliegen nicht schneller. Besonders bedeutsam ist weniger die Rekordgeschwindigkeit als die Regelgeschwindigkeit von 500km/h. Da lohnt fliegen nicht mehr und auch mit dem Auto hat man das Nachsehen.

Brauchen wir also doch den Transrapid für Deutschland oder ganz Europa? Theoretisch lässt sich die Frage leicht bejahen. Europäische Metropolen ließen sich extrem schnell verbinden, der Kontinent würde enger zusammenrücken.
Mal abgesehen von den bürokratischen Hürden, ist der Transrapid unwirtschaftlich und auch unnötig.
Die Unwirtschaftlichkeit ist leicht verständlich. Man müsste schließlich das komplette Gleisnetz zuerst bauen. Danach wäre die Wartung teuer und das System unflexibel. Gibt es Bauarbeiten an der Trasse, sind Alternativverbindungen nicht möglich. Genauso könnten keine anderen Zuggattungen auf diesem Netz fahren. Sinnvoll wäre das in Europa nicht. Denkbar wäre eine Magnetschwebebahn in den USA, da dort kein hinreichendes Gleisnetz vorhanden ist und für den Personenverkehr sowieso ein Neubau benötigt würde.

Für Deutschland und Europa wäre ein Netzausbau völlig ausreichend. Selbst München - Berlin, als einer der wichtigsten Verbindungen des Landes, dauert mit dem ICE 6 bis 6,5 Stunden. Mit dem Auto braucht für für die knapp 600km Distanz ungefähr gleichlang. Hier fällt die niedrige Durchschnittsgeschwindigkeit des ICE auf. Eine Halbierung der Fahrtdauer wäre mit den derzeitigen Zügen möglich. Es scheitert an der Infrastruktur. Was hilft ein Zug der 330km/h im Regelbetrieb fahren kann, dies jedoch niemals macht?

Der Status quo besteht im Deutschen Fernverkehr aus IC Zügen die 180-200km/h schnell sind. Darüber rangieren ICE Züge mit 280-330km/h. Dabei fahren ICE die meiste Zeit über Altbaustrecken (<160km/h). Darüber kommen Ausbaustrecken (200 oder 230km/h), Neubaustrecken (250km/h) und Hochgeschwindigkeitsstrecken mit über 300km/h zugelassender Geschwindigkeit. Von der höchsten Kategorie existieren allerdings nur zwei Strecken. Selbst Neubaustrecken sind nur stellenweise zu finden und auch das nur auf den allerwichtigsten Linien.


Was muss also getan werden?
Als Sofortmaßnahme kann man lediglich unbedeutende Haltepunkte im IC und ICE Verkehr streichen. Dies bringt immerhin einige Minuten. Insgesamt muss die Zugtaktung verdichtet werden (Vorteil gegenüber Flugzeug).

Mittel- bis langfristig müssen alle Hauptbahnen mindestens ausgebaut werden. Dadurch werden auch zweitrangige Großstädte wieder gut angeschlossen. Auf den wichtigen Fernverkehrsstrecken muss durchgehend mindestens der 250km/h Standard gehalten werden. In ländlicheren Regionen sollten Neubaustrecken mit 300km/h Freigabe gebaut werden. In Einzelfällen ist sogar die Möglichkeit zu 350km/h Endgeschwindigkeit zu überdenken.
Die neuen Bahnlinien sollten größer dimensioniert werden. So würde man die alte Regionalstrecke unangetastet und beispielsweise entlang von Autobahnen eine zusätzliche Bahnlinie bauen. Dadurch blieben Anwohner verschont und der Zug müsste seltener abbremsen. Hier kann man auch endlich mit dr Tradition der Zweigleisgkeit brechen. Ein drittes Gleis in der Mitte ermöglicht den reibungslosen Mischbetrieb. So behindern sich tagsüber nicht ICE und IC und nachts können so Fernverkehr und Güterverkehr koexistieren. Auf besonders belasteten Strecken sind vier Gleise zu verwenden. Nur dann kann der Güterverkehr auch tagsüber rollen. Die Bahn würde so auch als Alternative zum LKW wieder attraktiver.
Genauso sind Bahnhöfe zu modernisieren. Durch eine neue Gleisordnung lassen sich oft bereits wichtige Minuten sparen. Der Umbau eines Kopfbahnhofs zum Durchgangsbahnhof ist zwar teuer, aber notwendig. Das aufwendige Wenden entfällt. Gespart werden dadurch zusätzliche 10-15 Minuten.

Als schöne Zukunftsidee wäre ein solches Hochgeschwindigkeitsnetz auch durch mehrere Staaten baubar.


Abschließend kann man sagen, der Fernverkehr ließe sich deutlich beschleunigen. Selbst Halbierungen der Fahrtzeit wären denkbar. Das alles ist immer noch günstiger als ein Transrapid, der nur wenig schneller wäre.

Samstag, 4. Mai 2013

Warum Gigaliner Unsinn sind

Aufgrund der erneuten Debatte zu Gigalinern noch ein paar Fakten:

Befürworter bringen die verringerte Umweltbelastung und verbesserte Kosteneffizienz in die Diskussion ein. Diese Argumente stehen definitiv für die Gigaliner. Auch das Argument der Unzulänglichkeit der Eisenbahn ist leider nicht ganz von der Hand zu weisen.

Der Testlauf ist erfolgreich. Hier fahren Gigaliner auf vordefinierten Strecken, fast ausschließlich auf Autobahnen zwischen Logistikzentren hin und her. Die Fahrer sind gut geschult und halten sich sklavisch an Geschwindigkeitslimits. Zugelassen ist eine Gesamtmasse von 44t im Testlauf, während für den offiziellen Einsatz 60t geplant sind.

Die Probleme dieser Lang-LKW tauchen jedoch gar nicht erst im Versuchsaufbau auf und werden öffentlich kaum diskutiert.

Angefangen mit dem niedrigen Gesamtgewicht. Man sieht bereits heute welche Schäden ein 40t-LKW bei einem Unfall anrichtet - mit 60t dürften Unfälle weitaus verherender sein. Wobei der Staat dieses Problem durch Vorschriften bezüglich Notbremsassistenten entschärft.

Nicht zu entschärfen sind die Probleme im Alltagseinsatz. Wären die Lang-LKW bundesweit legalisiert würde sich niemand mehr so genau an die Vorschriften halten. Sprich Tempolimits sind den Fahrern dann genauso egal wie alle anderen LKW-Fahrern auch. Genauso werden nicht nur Autobahnstrecken gefahren, sondern auch Landstraßen und Straßen innerhalb von Ortschaften.
Hier wird es dann gefährlich. Auf einer normalen Bundesstraße ist so ein LKW dann kaum noch überholbar wodurch die Verkehrsteilnehmer zu riskanten Überholmanövern provoziert werden. Auf kleineren Landstraßen sind Kurvenradien stellenweise zu gering um sie mit einem Gigaliner zu durchfahren ohne den Gegenverkehr zu behindern. Innerstädtisch ist dieses Problem weit größer. Hier kommt ein solcher LKW stellenweise nicht mehr ohne rangieren um Kurven und gefährdet beim Fahren Radfahrer übermäßig - da der zu haltende Abstand (Luftsog) innerstädtisch kaum möglich ist.
Schon manch ein regulärer Sattelzug kann sich auf kleinen Straßen kaum befreien - ein Gigaliner würde solche Straßen dauerhaft blockieren. Hier liegt auch der Unterschied zwischen den Positivbeispielen USA und Australien. Dort sind die Straßenverhältnisse anders als in Deutschland. Sehr eng bebaute Städte sind dort schlicht unbekannt. Die anderen Beispiele aus Finnland sind auch nicht mehr unbedingt positiv, da es dort regelmäßig zu Komplikationen kommt.

Freitag, 31. August 2012

Ideen für die Bahn Logistik

Zur Entwicklung des Güterverkehrs.

Anfang des vergangenen Jahrhunderts bzw. sogar Ende des 19.Jh. hat man alle überregional agierenden Produktionsbetriebe ans Bahnnetz angeschlossen. Genauso wie man damals auch jeden kleinen Ort mit einem eigenen Bahnhof versehen hat. Dieser enorme Bahnausbau wurde spätestens zur Zeit des Wiederaufbaus eingestellt. Große Unternehmen hatten ihren Bahnanschluss und die Unmengen an kleinen Unternehmen hätte man unmöglich alle mit einem eigenen Gleisanschluss versehen können. Noch dazu wurden LKW immer zuverlässiger und besser geeigneter für den Fernverkehr. Die Investitionskosten waren gering (Straßen waren schließlich schon da) und die Bahn damals noch extrem ineffizient (Hoher Personalbedarf in Zügen, Stellwerken und Bahnhöfen).

In den folgenden Jahrzehnten verlor die Deutsche Bahn kleinere Betriebe aus den Augen. Das Gleisnetz wurde auf Hauptstrecken zurückgefahren und interessant waren nur noch Unternehmen die Ganzzüge abnehmen. Das mag für ein Kohlekraftwerk oder einen Automobilbauer interessant sein - aber für einen Kleinbetrieb der täglich einen LKW losschickt wäre das unwirtschaftlich. In den 90er Jahren hat man dann aus Kostengründen die ungenutzten Gleisanschlüsse abgebaut.

Wer heute auf die Autobahn schaut sieht jedoch das Problem. Sie sind überfüllt. Noch dazu hat ein LKW eine sehr niedrige Nutzlast und Ladevolumen im Verhältnis zur Gesamtmasse sowie dem Personalbedarf. Auch der Kraftstoffverbrauch (knapp 1L/1000KG auf 100km) ist eher hoch. Diversen Prognosen nach wird das nationale Transportvolumen auch in den kommenden Jahren weiter steigen. Was also tun?

Die Autobahnen weiter auszubauen wird schwer. Denn auch wenn man einen anderen Transportweg wählt wird trotzdem ein steigendes Verkehrsaufkommen auf der Autobahn zu sehen sein.
Die Alternativen sind schnell aufgezählt: Flugzeug, Schiff und die Bahn. Erstere Varianten sind entweder extrem teuer oder erreichen nur sehr wenige Betriebe. Bleibt nur die Bahn. Nur wie bereitet man sie auf die neuen Anforderungen vor? Überall wieder Gleisanschlüsse zu bauen wäre zu teuer. Ich sehe die Zukunft eindeutig in Zentralen Logistikzentren. An den größeren Güterbahnhöfen des Landes kann man diese Zentren aufbauen. Da kann sich die Bahn etwas bei den Speditionen abschauen.

Bei den Unternehmen wird dann mit einem LKW die Ware abgeholt. Das kann seitens der DB Schenker oder durch eine Fremdspedition erledigt werden. Im Logistikzentrum wird die Ware dann kurzzeitig eingelagert und auf Züge in die richtige Richtung disponiert. Wenn man spezielle Wagen nutzt die für den Stückguttransport geeignet sind könnte man die Wagen dann mit Euro-Paletten der Firmen beladen. Durch RFID-Chips und moderne Software kann die Bahn so die Wagen füllen und sicherstellen, dass die Paletten der Absenderfirma auch korrekt am Ziel ankommen. Besonders lohnen würde sich das für Unternehmen die nur wenige Paletten oder maximal 3 Wagen abnehmen würden. Am Zielbahnhof wird die Ware dann wieder in LKW umgeladen und zur Zieladresse transportiert.

So können alle Unternehmen die Bahn nutzen und CO² arm sowie günstig ihre Waren transportieren. Bei guter Planung wäre der Transport nicht langsamer als mit dem LKW. Das System wird im Straßenverkehr insbesondere von Paketdiensten schon seit Jahrzehnten erfolgreich verwendet. Da wird es Zeit die Idee auch an den Schienenverkehr anzupassen.