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Samstag, 21. September 2013

IAA : Es wird elektrisch

Die diesjährige IAA bringt endlich erreichbare elektrische Fahrzeuge. Während in den vergangenen Jahren nur Studien mit spekulativen Anspruch und unfertige Modelle gezeigt wurden, gibt es jetzt erstmals größere Mengen Elektroautos. Neben den obligatorischen Vollhybriden kommen von jetzt an auch Plug-In Hybride und vollelektrische Fahrzeuge hinzu. Viele davon sind sogar uneingeschränkt alltagstauglich.

Audi hat unlängst große Teile seines E-Auto Programms eingestellt. Der Supersportwagen R8 e-tron als Konkurrenz zum Mercedes SLS e-cell und ein neuer, elektrischer A2 als Konkurrenz zum BMW i3 werden nicht weiter verfolgt. Es lohne sich nicht. Bereits im Programm befinden sich Vollhybride in als A4, A6 und A8. Neu ist der Audi A3 e-tron. Hierbei handelt es sich um einen Plug-in Hybriden. Preise sind bislang nicht bekannt. Vom Konzept her ist das Fahrzeug weitgehend überzeugend. Viel Fahrspaß und trotzdem im Alltag verwendbar. Zusätzlich versucht Audi die A3 g-tron als Alternativ zu verkaufen. Hierbei handelt es sich jedoch nur um einen konventionellen Erdgasantrieb.

Beeindruckende Innovationen bringt BMW mit dem i3 und dem i8. Neben den bestehenden Vollhybdriden hat BMW als erste europäische Marke Fahrzeuge für den rein elektrischen Antrieb entwickelt. Der BMW i8 ist ein Sportwagen mit Elektroantrieb und einem Range-Extender. Also einem kleinen Zusatzbenziner der bei niedrigem Ladestand wieder etwas Strom produzieren kann. Das Design ist anderen Sportwagen mindestens ebenbürtig - für die Fahrwerte gilt gleiches. Die etwas höheren Preise werden die anvisierte Kundschaft nicht stören. Markteinführung ist 2014. Bestellbar ist heute schon der neue BMW i3. Ein Elektrokleinwagen für mindestens 35.000€. Der Raum ist gut genutzt und das Design ist etwas Neues auf dem Automobilmarkt. Wobei hier der etwas niedrigere Komfort auffällt. Bei einer ersten Sitzprobe kann die Materialanmutung und Detailliebe zwar überzeugen - ist aber nicht auf Premium Niveau. Diese Haptik hätte man eher in einem Opel als in einem BMW erwartet. Auch wenn man zum gleichen Preis bereits in die Mittelklasse einsteigen kann und man durch die niedrigeren Kraftstoffkosten den Aufpreis nie wieder reinbekommt haben hier early Adopter und Idealisten das derzeit attraktivste Auto um umweltschonend zu fahren.

Etwas enttäuschend war der Auftritt von Ford. Die Marke bringt gleich drei neue Fahrzeuge mit alternativen Antrieb auf die Messe - jedoch alle viel zu spät. Zum einen ist da der neue Ford Mondeo Hybrid. Der konventionelle Ford Mondeo sollte eigentlich schon 2012 auf die europäischen Straßen kommen. Aufgrund einer verfehlten Firmenpolitik wird dies jedoch erst 2014 der Fall sein. Der vorgestellte Hybrid wird somit wohl erst 2015 in Europa käuflich sein. Während man heute damit ein Zeichen in dieser Klasse hätte setzen können, wird er 2015 nur ein Modell von vielen sein. Den schon Ende dieses Jahres müsste er sich gegen ein halbes Dutzend Konkurrenzmodelle durchsetzen. In zwei Jahren werden auch die restlichen Konkurrenten nachgezogen haben. Der Ford Focus electric als reines Elektroauto sollte ebenfalls schon seit mehreren Jahren auf dem deutschen Markt sein. Angekündigt ist er jetzt fürs kommende Jahr. Auch dieses Auto wird zu spät kommen. Der verbaute Akku nimmt sämtlichen Platz im Kofferraum - es passt keine Wasserkiste mehr hinein. Vor einem Jahr hätte dieses Auto mangels Konkurrenz trotzdem Abnehmer gefunden. Zur kommenden Markteinführung wird der ihm weit überlegene Elektro-Golf bereits auf dem Markt sein. Sofern Ford nicht mit phänomenalen Preisen glänzt wird dieser Wagen ein berechtigter Ladenhüter werden. Noch dieses Jahr erhältlich ist der Ford C-Max energi. Ein Plug-in Hybrid auf Basis des Minivans. Ein soweit schönes Konzept - jedoch auch mit einem im Kofferraum verbauten Akku. Für Familien ein K.O - Kriterium. Trotz Verfügbarkeit wird es wenig Kunden mit Bedarf an einem Van ohne Kofferraum geben.

Neben zahlreichen Studien und den obligatorischen Vollhybriden stellt Mercedes dieses Jahr den Mercedes S500 Plug-In Hybrid vor. Ab sofort bestellbar und absolut serientauglich. So ist ein opulentes Luxusauto mit einem Benzinverbrauch eines Kleinwagens realisiert. Wobei der Name hier täuscht - es handelt sich entgegen dem herkömmlichen S500 nicht um einen V8-Motor sondern um den neuen V6-Motor mit einem zusätzlichen Elektromotor. Für die meisten Menschen ist dieses Auto in unerreichbarer Ferne; allerdings sollte man nicht vergessen, dass in der Oberklasse zuerst die Innovationen eingeführt werden die sich in den Folgejahren auch in niedrigeren Fahrzeugklassen durchsetzen. Zusätzlich wurde die B-Klasse E-Cell vorgestellt. Die rein elektrische Version der B-Klasse - allerdings bisweilen nur für den nordamerikanischen Markt. Der Einführungstermin für Europa ist unbekannt.


Opel senkt auf der Messe spontan die Preise für den Opel Ampera. Diese Plug-in Hybrid ist zwar bereits seit 2011 auf dem Markt, verkauft sich jedoch schlecht. Die Preise sind enorm hoch und die Verarbeitung dafür nur mäßig. Durch die gesenkten Preise ist er aber eine attraktive Konkurrenz zu vielen anderen Neuheiten auf dem Markt.

Das größte Elektroautoangebot zeigt auf der Messe Renault. Neben dem Kangoo Z.E, der als vollwertiges Nutzfahrzeug auftaucht, war auch wieder der Twizy zu sehen. Diesem fehlt es zwar an Komfort, stellt jedoch ein günstiges Zweitfahrzeug da. Markteinführung hatte jedoch der Renault Zoe. Ein exklusiv elektrischer Kleinwagen zum moderaten Preis ohne Nutzwerteinschränkungen. Soweit ein sehr innovativer Kleinwagen. Allerdings ist er im Innenraum eher enttäuschend. Einen solchen Innenraum hätte man bei Dacia erwartet und nicht im modernsten Kleinwagen Renaults. Wackelnde Armlehnen, grobes Hartplastik etc. erhöhen nicht Fahrspaß. Etwas fraglich bei einem Auto für Idealisten.

Ganz im Sinne der Alternativen Antriebe präsentierte Volkswagen seinen Messestand. Neben diversen besonders sparsamen Dieseln und Erdgasantrieben wurden mehrere Elektroautos vorgestellt. Messepremiere hat der VW e-Golf. Ein Golf VII mit rein elektrischen Antrieb, aber ohne Einschränkungen beim Kofferraum. Die erwarteten Preise liegen bei ca. 35000€ zur Markteinführung Anfang 2014. Ein absolut kaufenswertes Auto. Wer nicht warten will erhält ab sofort für 26.000€ den VW e-Up!. Dieser Kleinwagen stellt eine hervorragende Konkurrenz zum E-Smart und dem Renault Zoe da. Keine Einschränkungen im Nutzwert und für einen Kleinstwagen hinreichende Fahrleistungen. Der Aufpreis gegenüber dem konventionell betriebenen Bruder liegt bei 11.000€ - was in einem durchschnittlichen Autoleben nicht wieder reinzuholen ist. Im Vergleich zum Erdgas betriebenen Eco-Up! sieht es noch schlimmer aus. Andererseits haben hier Idealisten ein perfektes Auto das auch noch für Normalverdiener erschwinglich ist. Hier hat VW alles richtig gemacht. Ganz anders sieht es beim VW XL1 aus. Eine ultra teure Kleinserie eines Autos das über zehn Jahre nach seiner Messevorstellung alles andere als Innovativ ist.


Nach diesem Messerundgang kann man erfreut auf die Zukunft schauen. In den kommenden drei Jahren werden zahlreiche vielversprechende Fahrzeuge auf den Markt kommen die für jeden Anwender das passende Angebot darstellen.

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Opel - Ein Abgesang

Warum Opel verschwinden wird. OPEL war einst eine der bedeutendsten Marken auf dem deutschen Autombilmarkt. Während Volkswagen neue Fahrzeuge verpasste und immer weiter den Käfer baute, bot Opel in den 60er und 70er Jahren die besseren Modelle an. Opel war die Marke für den Normalbürger mit bereits etwas gehobenen Ansprüchen. Nur ab dem Beginn der 1990er Jahre ging es permanent bergab. Unter Lopez litt die Qualität der Fahrzeuge... Rost bereits bei sehr jungen Fahrzeugen war keine Ausnahme. Zwar konnte die Qualität wieder auf Konkurrenzniveau gesteigert werden, aber zahlreiche weitere Managementfehler folgten. Dazu gehören auch die Irrungen im Premiumsegment (Opel Omega B), was zur Marke überhaupt nicht passt. Genauso wurde vom GM Management eine Ausbreitung auf außereuropäische Märkte verhindert - also da wo heute die größten Wachstumsraten anzutreffen sind. Nicht zuletzt schadet man Opel durch die konzerneigene Konkurrenz Chevrolet, die Opel-Modelle für erheblich weniger Geld verkaufen. Am dramatischsten sind die Mängel beim Produktangebot. Man betrachte die Trends in den jeweiligen Baureihen und Technologien und was Opel dazu zu bieten hat.  

Kleinstwagen: Lange Zeit hatte Opel Angeboten wie dem Toyota Aygo oder Renault Twingo nichts entgegen zu setzen. Also ein kleiner Stadtwagen bis zu 3,5m länge und einem Einstiegspreis spürbar unter 10.000€. Als Feigenblatt nahm man den Suzuki Wagon R/Splash ins Angebot - ein Ladenhüter. Bis auf das Markenlogo und einzelne Motoren absolut identisch mit dem Suzuki und zu sehr hohen Preisen auf dem Markt. Da ist die Konkurrenz in Form des Fiat Pandas erheblich billiger. In diesem Segment sind schon wenige hundert Eruo kaufentscheidend - wenn es dann gleich mehrere Tausend sind, lassen sich die miesen Verkaufszahlen erklären. 2012 hat Opel den Adam nachgeschoben. Ein "hipper" Kleinstwagen als Konkurrenz zum Fiat 500 und genauso hohen Preisen. Kein Volumenmodell, jedoch gut durchdacht. Allerdings viel zu spät.

 Kleinwagen: Der Opel Corsa. Ein Garant für gute Verkaufszahlen seit jeher. Auch das aktuelle Modell verkauft sich hervorragend und dürfte für Opel eine Menge Geld abwerfen.  

Kompaktklasse: Der Astra verkauft sich. Er ist kein schlechtes Auto, kann aber auch nichts besser als die Konkurrenz. Trotz enormer Abmessungen ist der Platz im Innenraum nicht besser als im erheblich kleineren und ca. 150kg leichteren Golf. Er kann auch nicht mit irgendwelcher Technik glänzen die ein Konkurrenzmodell nicht hätte. Insgesamt also ein mittelmäßiges Angebot.  

Mittelklasse: Auch der Insignia verkauft sich.. mittlerweile auch eher schleppend. Auch dieses Fahrzeug ist für den gebotenen Innenraum viel zu groß. Dazu kommen hohe Verbräuche und ein total verbauter Innenraum. In der Klasse notwendige Innovationen fehlen.  

Vans/Kastenwagen/Sportwagen/SUV: Hier patzt Opel richtig. Die Bereiche in denen Opel einst führend war verlieren sie gerade. Neue Nischen bleiben unbesetzt oder werden nur halbherzig gefüllt. Der Zafira A war ein Verkaufsschlager, neben dem Renault Scenic war er der einzige Minivan in der Klasse. Mit seinem überragenden Sitzkonzept und der hervorragendenen Ergonomie konnte er bei den Kunden punkten. Nur seitdem kommt nicht mehr viel. der Zafira C ist genauso wie Insignia und Astra viel zu groß für den gebotenen Innenraum. Neuerungen die die Konkurrenz nicht hätte sind Fehlanzeige. Selbst der mittlerweile uralte VW Touran verkauft sich besser.

Bei den ganz kleinen verkauft sich der Meriva B immer noch gut. Neben dem Corsa ist er das einzige empfehlenswerte Modell im Programm.

Bei Vans muss Opel passen. Als Konkurrenz zum VW T5 kann Opel nur den Vivaro bieten - ein erfolgloser Renault Transporter mit Opel-Logo.
Der Trend der kleinen Kastenwagen (Skoda Roomster, VW Caddy) wurde verschlafen. Zwar hat Opel den Combo im Programm, der war jedoch lange nicht auf Familien zugeschnitten und der Combo C ist lediglich ein umgelabelter Fiat Doblo.

Bei den SUV - das Segment mit den größten Zuwächsen - hat Opel wieder nichts im Angebot. In den Listen steht der Antara... ein schlecht verarbeiteter Chevrolet zu sehr hohen Preisen und enormen Verbräuchen. Neu ist lediglich der Mokka... wobei es den für weniger Geld als Chevorlet gibt.  

Effizienz: Einen sparsamen Ruf haben die Opelmotoren leider auch nicht. Der Verbrauch ist meist etwas höher als bei der Konkurrenz. Moderne Automatikgetriebe fehlen genauso oft wie Start/Stopp-Automatiken. Als alternative Antriebe propagiert Opel in erster Linie den Erdgasantrieb. Voll-Hybride hat Opel genauso wenig wie Elektroautos im Angebot. Einzig einen Plug-In Hybrid - den Ampera - kann man kaufen. Wobei auch dieser ein Chevrolet mit Opel-Logo ist. Auch dieses Fahrzeug ist ein Ladenhüter, da nicht auf den europäischen Markt zugeschnitten und viel zu teuer - wer zahlt ca. 50.000€ für einen Opel in Kompaktklasseformat? Das sind über 10.000€ Aufpreis zum Plug-In Prius von Toyota.



Um Opel zu retten müsste man nahezu alle Baureihen umgehend überarbeiten. Neue Motoren sowie Leichtbau müsste Einzug halten und pfiffige Innovationen wären Pflicht. Da diese Sanierung Milliarden beanspruchen würde, erscheint Opels Pespektive aussichtslos. Schade um eine deutsche Automobilmarke.